Mit Liebe gebacken – ein „Grumber-Brot“ für Theo …

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Theo heißt nicht nur so, er ist es auch – ein „Gottesgeschenk“!

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Die meisten Leute aus meiner Generation sagen „Papa“ zu ihrem Vater, für mich war es immer „mein Theo“, denn ich habe (leider) keine Geschwister und irgendwie wäre es komisch gewesen, wenn ich die Einzige gewesen wäre, die dieses Wort benutzt hätte. Heute hat Theo Geburtstag, er wird 83, aber das ist kaum zu glauben. Ihr müsstet ihn mal sehen, wenn er mit mir Estrich macht oder wenn er mit dem Fahrradhelm durch die Wälder radelt. Schon immer war er ein Genießer und viele kulinarische Erinnerungen verbinden uns: Nach ausschweifenden Wanderungen durch die Vogesen wurden selbst gesammelte Maronenröhrlinge und „krause Glucke“ zubereitet für eine ganze Wandergruppe, dazu Esskastanien vom Kachelofen. Wildkräuter und Heidelbeeren in den Bergen gepflückt. Gemüse, Sauerkirschen, Himbeeren, alles damals noch im eigenen Garten angebaut. Wenn man etwas von meinem Papa lernen kann, dann ist es der entschleunigte Genuss! Er kaut und kaut, alle anderen am Tisch sind schon lange fertig mit ihrem Essen und er genießt immer noch bewusst und in Ruhe…

Heute bekommt Theo ein Brot, das seinen Namen trägt und es muss mir einfach ganz toll gelingen! Da der kleine Theo noch „hamstern“ musste, um sich und die Seinen durch Krieg und Nachkriegszeit zu bringen und dabei die Kartoffel eine wesentliche Rolle spielte, will ich in diesem Brot auch Kartoffeln (bei uns: „Grumbern“) verbacken. Sie halten ein Brot auch lange frisch und für jemanden, der langsam und bedächtig isst, könnte das eine Rolle spielen 😉 ! Roggenmalzflocken sollen auch in diesem Brot sein, denn der junge Theo bekam oft nur „Muckefuck“  =  Malzkaffee – statt Cappuccino, den er heute so mag. Ein Aromastück kommt rein, das wird aus Roggenschrot hergestellt (ganz gemächlich bei nicht zu hoher Temperatur).  Seit diesem Brot habe ich es portionsweise eingefroren. Eigentlich müssten auch Bucheckern ins Brot, denn die hat er in den ganz schlechten Zeiten im Wald gesammelt, damit die Frauen der Familie sie im Brot verbacken konnten – statt Mehl! Theo erinnert sich noch, dass am Haus seiner Großeltern ein Backhaus angebaut war, an alte Rezepte und das Backen selbst erinnert er sich leider nicht, nur noch, dass Sauerteig im Spiel war. Dieses Wissen ist leider verloren gegangen, das Backhaus wurde irgendwann abgerissen, schade!! Was könnte ich statt Bucheckern verbacken – ich nehme Walnüsse. Die sammelt mein Papa im Herbst immer. Er nimmt sich die Zeit, sie aus der schwarzen matschigen Hülle zu pellen und trocknet sie sanft in ihrer Schale im Heizungskeller, damit sie nicht schimmeln. Ich sagte ja schon: Er nimmt sich Zeit!!

Rezept: Bereits am Vorabend wird der Sauerteig gestartet, ein Brühstück angesetzt, die Kartoffeln gekocht und das Aromastück angesetzt (oder aufgetaut).

Sauerteig:

300 g Weizenmehl 1050

20 g Anstellgut vom Weizensauerteig

22o g Wasser

Alles gut verrühren und 16 h in der warmen Küche stehen lassen.

Brühstück:

100 g Roggenmalzflocken

100 g (fast) kochendes Wasser verrühren und ebenfalls über Nacht stehen lassen.

40o g Kartoffeln in der Schale kochen

100 g Aromastück (hier ist die Anleitung dazu)

Am nächsten Tag (nach 12-16 h) knetet man den Sauerteig, das Aromastück, die geschälten fein gedrückten Kartoffeln, das Brühstück zusammen mit:

300 g Roggenmehl 1150

300 g Weizenmehl 550

1 El Honig

100 g Buttermilch und 50-80 g warmes Wasser

14 g frische Hefe

100 g kühlschrankkalter LM (wer LM weglässt, verdoppelt besser die Hefemenge)

24 g Salz

30 g weiche Butter

Etwa 8-10 min langsam verkneten, dann 5 min schneller, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. Am Ende der Knetzeit noch

100 g Walnüsse zugeben.

Den Teig in eine geölte verschließbare Schüssel geben

2 – 2,5 h ruhen lassen, dabei nach 30 min, 60 min und 90 min einmal falten.

Anschließend lang wirken und mit dem Schluss nach oben in einem Gärkörbchen platzieren und etwa 45 min zur Endgare stellen.

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Den Backofen samt Backstein (der mir heute das Backhaus ersetzen muss) auf 250° C aufheizen.

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Das fertig gebackene Brot sieht schön nostalgisch-rustikal aus, es duftet vielversprechend. Ein Foto vom Anschnitt und ein Geschmacksurteil werde ich erst heute zu späterer Stunde einstellen können. Jetzt muss ich zur Geburtstagsfeier, mit Brot und Beitrag im Gepäck, aber angeschnitten verschenken geht doch nicht….

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Mein lieber Theo, bleib so wie du bist! Ich wünsche dir Gesundheit und dass wir noch viele Jahre solchen Spaß miteinander haben!

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Nachtrag:

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Innen ganz zarte, saftige Krume, dünne knusprige Kruste, viel Aroma (das ganze Auto hat auf dem Weg geduftet von dem noch warmen Brot). Es ist mir ein wenig breit gelaufen, oben im Rezept ist die Wassermenge aber schon nach unten korrigiert. An das Aromastück kann ich mich echt gewöhnen!

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24 Kommentare zu “Mit Liebe gebacken – ein „Grumber-Brot“ für Theo …

  1. Liebe Susanne, Vor allem lieber THEO,
    Theo ist der beste. So klar, so geerdet und frisch und offen. Und natürlich genießerisch langsam. Ich statuiere ihm auch auf diesem Wege ganz herzlich. Ich bin froh, dass wir ( alle) uns kennen. ( ich hätte das tolle Brot gerne auch geschmeckt, sieht lecker aus)
    Deine Liesa

    P.s. Toller Blog

  2. Ich wünsche Theo noch viele aktive, genussreiche Jahre. Mit slowfood ist der Mann ja up to date 😉
    Das wunderschöne Brot war sicher ein hoch willkommenes Geburtstagsgeschenk.

    Mein Vater – er wird dieses Jahr 90- bekam gestern auch ein Brot, besser gesagt einen Zopf im Kasten, Ganz ohne Geburtstag. Er musste trotz Abendessen noch eine Scheibe verputzen, das schönste Lob.

    Liebe Grüße Ulrike

  3. Dein Grumberbrot sieht von Außen schon mal recht vielversprechend aus und ja, angeschnitten verschenken geht gar nicht! 😉 Auch von mr die besten Glückwünsche an deinen Theo!
    Liebe Grüße,
    Eva

  4. Auch von mir die allerherzlichsten Glückwünsche an Deinen Theo – und auf ganz viele weitere gemeinsamen Jahre. An dem wunderbaren Brot hat er Freude. Ich gehe dann nachher auch endlich ein Aromastück ansetzen, überredet 🙂

  5. So ein liebevoll geschriebener Bericht (man spürt die Nähe zwischen deinem Vater und dir!) und ein mindestens genau so wunderbares Brot! – Schöne Idee, mit der du deinen Vater erfreut hast.
    Alles Gute ihn! LG Eva

  6. Vor ein paar Tagen habe ich das Brot ein zweites Mal gebacken. Das erste war mir ziemlich breitgelaufen, aber dieser Tag war auch nicht meiner, und ich wollte mir noch mal eine Chance geben. Leider war es auch dieses Mal das Gleiche, der Teig bekam einfach keinen Stand, kein ausreichendes Glutengerüst, obwohl ich sogar ein französisches T110 verwendet habe. Zunächst hatte ich etwas zuviel Wasser, da die Kartoffeln (mehlige) ihre Feuchtigkeit erst mit Verzug abgaben, aber das habe ich mit gemahlenem Röstbrot geregelt
    Ich habe den Teig dann in zwei Kästen gepackt, es wäre doch nur wieder flach geworden.Die Krume ist sehr saftig aber auch sehr dicht, was ich dem mangelnden Gashaltevermögen zuschreibe.
    Es schmeckt wunderbar aromatisch und es ist auch sehr schön saftig, aber ich würde mir eine lockerere Krume wünschen und überlege, wie ich das bewerkstelligen könnte. Was meinst du? Sind die 400g Kartoffeln doch zuviel für 1000g Mehl?

    Liebe Grüße
    Ulrike

    • Liebe Ulrike,
      ich habe das Brot nur dieses eine Mal für Theo gebacken und da ist es nicht breit gelaufen.
      Ich würde mich sehr freuen, wenn du daran weiter experimentierst u mir berichtest, wie dein bester Versuch damit gelungen ist!
      Liebe Grüsse
      Cheriechen

      • Ulla schrieb im BBF auf meine Frage, dass sie auf 1kg Mehl max. 220g Kartoffeln verwendet. In die Richtung werde ich auch gehen, aber das wird noch ein bisschen dauern. Meine Backliste hat noch so vieles, was nachgebacken werden will 😉

        Liebe Grüße
        Ulrike

  7. Hallo Cheriechen,eine berührende schöne Geschichte. Väter verdienen solche Backkünste, leider kann ich das für meinen Vater nicht mehr backen, aber in memorian werde ich mich die nächsten Tage gleich ans Werk machen.
    Das Brennesselbrot war schon grossartig und ich bin voler Erwartung und Vorfreude auf „Theo“. Ich hoffe sehr, das es deinem Vater immer noch so gut geht und er noch sehr häufig in den Genuss deiner Leckereien kommt.
    Liebe Grüsse
    Christine

    • Danke, liebe Christine!
      Er ist inzwischen 85 u hat am Vatertag eine Radtour mit dem E-bike gemacht!
      Ich bin sehr dankbar dafür, dass es ihm noch so gut geht..
      Dir viel Erfolg beim Backen!
      Cheriechen

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