Die provencalische Antwort auf Windbeutel: Zweierlei Mistralbeutel – mit Erdbeeren in Beaumes de Venise und mit Kräutern und Parmesan… …

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Voilà, ich bin wieder da! Ein paar Tage haben wir Urlaub gemacht am Fuße des Mont Ventoux und so lange hat auch das „Boulancheriechen“ Ferien gehabt… ! Natürlich habe ich viele Inspirationen aus der Provence mitgebracht und nun geht es also wieder voller Tatendrang los.

Höhepunkt unseres Aufenthaltes war mit Sicherheit die Radtour von Bedoin auf den Gipfel des Mont Ventoux. Ich hatte mir selbst nicht zugetraut, die 1600 m Höhenmeter, die auf 21 km verteilt sind, zu überwinden. Der Plan war, meinen durchtrainierten Mountainbiker so weit wie möglich auf der Tour de France-Strecke zu begleiten und dann in dem wunderschönen Eichenwald ein Picknick zu machen, bis er wieder zurück kommt. Ich fuhr und fuhr und irgendwann war ich dann oben auf dem Mont Ventoux, dem Berg der Winde! Fragt mich nicht wie, alle Energiereserven und Willenskraftspeicher waren komplett aufgebraucht und freuen konnte ich mich erst so richtig, als ich wieder unten war. Bei der Abfahrt musste ich am „Col des Tompêtes“ – dem sogenannten „Sattel der Stürme“- fast vom Rad absteigen, weil ich dachte, ich würde weggeblasen. Ich schwor mir, dass ich WINDBEUTEL backen würde, wenn ich heil wieder unten ankommen würde, riesige Mistral-Sturmbeutel!

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Auf dem Wochenmarkt in Bedoin hatte ich dann noch ein Erdbeer-Schlüsselerlebnis: Ich roch Erdbeeren, ganz stark, noch bevor ich sie sehen konnte. Wunderbar süße Erdbeeren aus Carpentras, so lecker, wie ich schon lange keine mehr gegessen hatte. Direkt vom Erzeuger..

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Einige Erdbeeren schafften auch die Reise nach Hause, zusammen mit ein paar guten Flaschen Wein aus der Gegend: Vaqueyras, Gigondas und Beaumes de Venise. Letzterer ist ein gehaltvoller Muscat, also ein Süßwein – Vin Doux Naturel. Ich durfte drei verschiedene probieren und war erstaunt, wie verschieden der Geschmack sein kann. Mal blumig nach Flieder, Rose mit einem Hauch Birne, ein anderer hatte eher Zitrusnoten und das dritte Gläschchen, an dem ich nippte, überraschte mit exotischen Noten wie Mango etc.

Aus all den guten Zutaten sind also meine „Mistral-Beutel“ entstanden. Erdbeeren, die ein Bad in Beaumes de Venise nahmen, klassische Windbeutel und Sahne. Die Kalorien müssen nach all dem Sport drin sein 😉 …

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Rezept:

250 g Wasser

60 g weiche Butter

1 Prise Salz

150 g Mehl

2 El Speisestärke

5 ganze Eier

1 gestr. Tl Backpulver

Wasser, Salz und Butter in einem Topf zum Kochen bringen, das Mehl in einem Schwung untergeben und zügig umrühren. Den Teig auf mittlerer Hitze unter ständigem Rühren „abbrennen“, d.h. so lange erhitzen, bis sich eine weiße Schicht am Topfboden bildet und sich der Teig als Kloß vom Topfboden löst. Den Teig in einer Schüssel 5 min abkühlen lassen. Dann die Eier einzeln unter den warmen Teig geben und kräftig schlagen, bis ein glänzender glatter Teig entsteht.

So habe ich das früher gemacht, heute mache ich Brandteig im Thermomix, das geht ganz einfach.

Den Backofen auf 220° C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Ordentliche Menschen füllen den Teig in einen Spritzbeutel und spritzen hübsche Teighäufchen auf die Backfolie. Ich habe mit 2 Löffeln gearbeitet. Mich nervt die klebrige Masse, die ich nie ganz aus dem Beutel rausbekomme. Außerdem wollte ich stürmische Mistralbeutel und keine edlen Windbeutel. Genug Abstand lassen, der Teig geht beim Backen auf. Etwa 25 – 30 min goldbraun backen ohne den Backofen zwischendrin zu öffnen. Mit einer Schere die Windbeutel waagerecht aufschneiden und auskühlen lassen.

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Mir hat die Hälfte der Masse für meine Erdbeer-Windbeutel gereicht. Die andere Hälfte wurde zu Kräuter-Parmesan-Beuteln umfunktioniert (kommt gleich…). Auf alle Fälle reicht die Masse für 2 Bleche, die nicht gleichzeitig in den Ofen können (Ober-Unterhitze ist obligatorisch!).

Füllung:

Etwa 250 g Erdbeeren achteln und mit Beaume des Venise anschütteln, bis sie gerade so bedeckt sind und mindestens 1 h marinieren.

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500 g Sahne mit etwas Vanillezucker (ich nehme selbst gemachten) und einem Hauch Tonkabohne würzen

dazu einen El Lavendelhonig und das Ganze steif schlagen. In die Windbeutel füllen und mit den abgetropften Erdbeeren belegen.

Die andere Hälfte des Brandteiges habe ich mit Gartenkräutern und geschnippeltem Parmesan angereichert und dann in Teelöffelgröße gebacken. Einfach so ohne abzuwiegen …

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Durch den Käse werden sie etwas schwerer und gehen nicht so irre auf. Sie schmecken aber total lecker, heiß oder kalt…

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22 Kommentare zu “Die provencalische Antwort auf Windbeutel: Zweierlei Mistralbeutel – mit Erdbeeren in Beaumes de Venise und mit Kräutern und Parmesan… …

  1. Mal abgesehen von den duftenden Erdbeeren und den feinen Windbeuteln – in einer herrlichen Ecke habt Ihr da geurlaubt.Ich gestehe, mit dem Auto auf den Mont Ventoux gefahren zu sein – Du hast meine Bewunderung. Wobei ich fast den Gedanken ans Runterfahren schrecklicher finde….

    • 🙂
      Oh, oh, ich lass mir Zeit! Glaub nur nicht, dass ich auch so flach über dem Rahmen liege und rase! So viel Vertrauen habe ich weder in das Material noch in den Gegenverkehr… Und ich bin immer so froh, wenn ich heil unten bin!
      Liebe Grüße
      Cheriechen
      Cheriechen

  2. Oooh, ich hätte jetzt gerne von jeder Sorte eins… ich mag Windbeutel sehr, und marinierte Erdbeeren mit Vanillesahne noch mehr….. super Idee, das werd ich sicher mal nachmachen. Wobei…. meist esse ich die Erdbeer-Sahne Kombi ohne was drumrum oder drunter…..

  3. Das sind aber tolle Bilder! Freut mich, dass ihr eine so entspannte Zeit hattet! Punkto Erdbeeren hatte ich kürzlich auch ein interessantes olfaktorisches Erlebnis. Bei uns in Zürich hat vor einigen Wochen ein grosser Food Market mit Spezialitäten aus aller Welt eröffnet. Und da stand ein grosses Gestell mit leuchtend-roten Erdbeeren, welches derart intensiv geduftet hat, ich bin beinahe verrückt geworden 🙂 Ich habe verzweifelt nach der Öffnung gesucht, wo die Ladenverantwortlichen die Duftmoleküle einschleusen. Hab sie zwar nicht gefunden, bin aber nach wie vor kritisch 😉

    Von deinem Rezept merke ich mir jedenfalls die salzige Variante mit Parmesan! Die schaut zum Anbeissen aus 🙂

    • 🙂 Das ähnelt meiner Theorie vom Schwimmbad! Ich behaupte ja, sie machen etwas ins Wasser, weil ich danach immer solch furchtbaren Hunger habe…
      Hast du widerstanden bei den Erdbeeren?
      Ich sehne mich nach dem Erdbeerbeet meiner Oma, da wusste man was Sache war, für zwei herrliche Wochen im Jahr…
      Liebe Grüße
      Cheriechen

      • Haha! Die Theorie gefällt mir aber auch! Nach dem Schwimmen bin ich meist auch ziemlich hungrig 🙂 Und ja, auf die Erdbeeren meiner Oma freue ich mich auch schon wie verrückt! Die schmecken halt einfach am besten 😉 Auf die Treibhausware aus Spanien habe ich folglich verzichten, so sehr gelüstet es mich momentan noch nicht danach 🙂

  4. Du bist da echt rauf gefahren? so mit reiner Muskelantriebskraft? Ich bin beeindruckt!

    und die Käsewindbeutel erkläre ich für den kommenden Brunch am übernächsten Wochenende für meine Brandteig-Premiere. Ich habe mich da bisher nicht dran getraut aber bei Dir liest es sich ganz einfach. vor allem die Variante einfach Teelöffel zu nehmen finde ich klasse. Spritzbeutel tun in meinem Fall oft das, was ihr Name schon sagt – sie spritzen den Teig rum, nur meist geht ein beachtlicher Teil nicht dahin, wo er hin soll 🙂

    • Genau! Und das Spülen dieses pappigen Beutels, mögen sie noch so viel schöner sein…
      Den Käse und die Kräuter gehen ohnehin nicht durch die Tülle!
      Viel Spaß beim Brunch!
      Liebe Grüße
      Cheriechen

  5. Schön, dass meine Neugier endlich befriedigt wurde! 🙂 Und die Sturmeutel gefallen mir auch. Brandteig ist noch immer meine Schwäche, habe halt keinen Thermomix.
    (Wie habt ihr die 16.000 Höhnenmeter eigentlich ohne Sauerstofflasche bewältigt? Der Mount Everrest ist gut 8.000 Höhenmeter hoch…)
    Liebe Grüße,
    Eva

    • Du, gerade hat mein Schatz völlig entsetzt angerufen (du warst aber schneller im Lesen) „1600m“, ich habe es nicht mit Zahlen, frag meine Mathelehrer… 🙂 Ich bin ein echtes Talent! Gefühlt waren es für meine Beine 160000000000m 😉
      Herzlichst
      Cheriechen

  6. Oh wie lecker! Das werde ich auch ausprobieren. Verräts du mir, wie du den Teig im Thermomix machst? Wird der genau so gut wie auf die herkömmliche Art?
    Viele Grüße
    Heimke

  7. Als erstes fiel mir in der Bloglovin Vorschau auch die Höhendifferenz auf, aber sie war dann bereits korrigiert. Zu Windbeuteln kann ich nichts beifügen, zu Höhenmetern hat dies Eva bereits so humorig gemacht, dass sich mein Kommentar dazu erübrigt.

  8. Es ist eine herrliche Gegend, in der ihr da Urlaub gemacht habt. Leider wurde meinem Mann vor vielen Jahren dort ein Auto gestohlen, seitdem bekomme ich ihn nieee wieder dort hin. In dem gestohlenen Auto waren u.a. übrigens die ersten frischen Erdbeeren, die wir zuvor auf einem Markt gekauft hatten 😉

  9. Hallo Cheriechen,

    16.000 Höhenmeter den Ventoux hoch, ist kein gutes Zeichen.

    Das schaffen selbst gedopte Windbeutel nicht.

    Gruß,

    Dietmar

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