Foccacia mit karamellisierten Zwiebeln und Gartenkräuteröl …

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Spätestens seit einem Ligurienurlaub im letzten Jahr bin ich bekennende Foccacia-Liebhaberin! Dort gibt es Foccaciarias, also Läden, die nichts anderes verkaufen als ständig frische Foccacia in unterschiedlichen Ausführungen. Paradiesisch für den Gaumen. Für die Figur wäre es wahrscheinlich fatal dort täglich einzufallen. Machen wir uns nichts vor: Foccacia ist alles, aber nicht „light“! Was solls, für so ein aromatisch duftendes Stückchen Glück, außen knusprig, innen wattig schiebe ich gerne einen Extra-Waldlauf ein …

So weit die Liebe auf den ersten Biss. Die Frage ist dann zu Hause ja immer: Wie bekomme ich das selbst hin und zwar bitte perfekt! In den Wochen nach dem Urlaub habe ich mich durch die verschiedensten Internet-Rezepte gebacken, habe italienisch so gut übersetzt, wie es eben ging, probiert, studiert. Meine Favoriten-Foccacia fand ich schließlich bei Lutz im Plötzblog. Eine Foccacia mit karamellisierten Zwiebelringen, die Lutz der Foccacia von Ciril Hitz nachempfunden hat. Traumhaft! Ich habe sie nach meinem Gusto ein wenig verändert und hier kommt sie: Italy – 12 points …

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Schon die Zubereitung ist ein sinnliches Vergnügen. So manchem Kind könnte das Zubereiten von Foccacia den Ergotherapeuten ersetzen. Wenn ich mit 10 Fingern in den fluffigen blasigen Teig massenhaft grüngoldenes Olivenöl einmassieren darf, dann läuft mir ein Glücksschauer den Rücken hinab und ich bin für ein paar Minuten wieder klein!

Genug geschwärmt, hier kommt die Anleitung: Am Vortag werden dreierlei Vorbereitungen getroffen:

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Aus Olivenöl (Lutz schreibt Pflanzenöl, aber ich bin der Meinung es geht ausschließlich Olivenöl, sonst ist es keine italienische Foccacia) Knoblauch und Kräutern wird ein duftendes Kräuteröl angesetzt.

100 g Olivenöl mit 1-2 kleingehackten Knoblauchzehen, Thymian, Zitronenthymian, Rosmarin, Basilikum, etwas Petersilie, Oregano, eine Spur Salbei und einem zerknitterten Lorbeerblatt aromatisieren. Schüssel abdecken und über Nacht in den Kühlschrank stellen.

 

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Zwiebeln werden in Streifen geschnitten und karamellisiert. Dazu 3-4 Zwiebeln in Streifen schneiden. In einer Pfanne  3-4 El Zucker (ich hatte Vollrohrzucker) karamellisieren lassen, die Zwiebeln zugeben und darin bräunen, schließlich ein klein wenig Olivenöl drangeben. Mit etwas Kräutersalz und Chili aus der Mühle würzen. Auch dieses Töpfchen wartet abgedeckt über Nacht im Kühlschrank.

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Ein Polish mit einer winzigen Hefemenge wird angesetzt.

190 g Weizenmehl (ideal ist Manitoba, aber schwer zu beschaffen, ersatzweise T 65 oder 55oer)

0,2 g frische Hefe (meine Löffelwaage ist kaputt, also einfach ein winziges Stückchen)

190 g Wasser

Die Zutaten gut verrühren. Bei mir standen sie 16 h abgedeckt in der Küche. Erstaunlich, wie blubberig dieser Vorteig am nächsten Tag ist!

Für den Hauptteig wird der obige Polish mit

360 g Weizenmehl (siehe oben)

238 g Wasser

4 g Frischhefe

1o g Salz

und einem großen El Lievito madre (falls vorhanden) verknetet. Erst etwa 10 min langsam, dann 5 min schnell. Dieser Teig ist recht flüssig und weich. Er wird in eine geölte Schüssel umgefüllt und bei mir ist er 3 h gegangen. Ich habe ihn etwa alle halbe Stunde mit ganz nassen Fingern gefaltet. Die Finger wirklich nass machen, sonst bleibt der glibberige Teig daran kleben. Anschließend wird er auf ein gut geöltes Backblech gekippt und mit öligen Fingern in Form gedrückt und gezogen. Am besten geht es, wenn man das in zwei Etappen macht, mit 10 min Pause dazwischen, Zeit für einen kleinen Espresso. Dann habe ich das Kräuteröl „eingelocht“ – ein herrlich pampiges und duftendes Gefühl – und die karamellisierten Zwiebeln darauf verteilt. Natürlich habe ich nicht vorher daran gedacht, sie aus dem Kühlschrank zu nehmen, aber die Foccacia war glücklicherweise nicht traumatisiert von der Kälte…

Darüber kommt noch etwas grobes Meersalz und ein paar Umdrehungen aus der Pfeffermühle…

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Anschließend muss sie nochmal 30 min abgedeckt gehen. Nehmt ein altes Küchentuch, wegen des Öles…

Bei strammen 250° C wird die Foccacia gebacken, 20-30 min lang. Lutz gibt noch Parmesan für die letzten 10 min drüber, den habe ich weggelassen.

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Der Duft, der durch die Küche zieht ist betörend… Nach dem Backen steht Olivenöl in den Ecken des Backbleches. Ich habe mit dem Löffel wieder ein wenig abgeschöpft aber wenn ihr das nicht tut, zieht es in die Foccacia ein.

Ich hatte das doppelte Rezept gebacken und auf einem Fest mit vielen „echten Italienern“ 😉 blieb nicht ein Krümelchen übrig. Na also – va bene…

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38 Kommentare zu “Foccacia mit karamellisierten Zwiebeln und Gartenkräuteröl …

  1. Herrlich, wie (fast) immer, mit den schönen Blasen, der goldigen Kruste, zum Reinbeissen. Ich schätze, wie Du Details erwähnst wegen der Handhabung des Teiges, nasse Hände, Espresso dazwischen, etc., ich muss es nur nochmals genau lesen vor dem Nachmachen.

  2. Fein sieht sie aus, ich kann den Duft förmlich riechen. Focaccia hab ich noch nie gebacken. Sommer müsste es sein *seufz*, ein paar Freunde könnte man einladen und auf der Terrasse sitzen mit einer Focaccia, das könnte mir gefallen. Das plane ich jetzt mal.
    Mit Manitoba meinst du aber nicht das reine, sondern das gemischte, oder? Ich meine mich zu erinnern, dass Björn mal geschrieben hat, nicht mehr als 30% reines Manitoba, sonst wird´s glitschig.
    Liebe Grüße
    Ulrike

    • Das Focaccia mit den Zwiebeln lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Eine schöne Idee jetzt für die warmen Sommerabende. Ich werde es gleich morgen ausprobieren.

    • Ulrike, das stimmt! Jetzt erinnere ich mich auch daran, wo du das sagst! Ich habe gemischt, intuitiv, weil mein T 65 aus war. Tüte leer gemacht, der Rest war Manitoba. Es war definitiv mehr als 30 % (ich schätze 70 %) und glitschig kann ich nicht bestätigen. Vielleicht gilt das für Ciabatta oder andere italienische Brote, wo es mehr auf Standfestigkeit ankommt?
      Liebe Grüße
      Cheriechen

  3. Ich krieg schon wieder Hunger!
    Das sieht nicht nur Klasse aus, ich habe gerade den Geschmack auf der Zunge liegen.
    Muss ich probieren um den Unterschied zu meiner Standardfoccacia zu testen.
    Und wer weiß: das Bessere ist des Guten Feind. 😃

    Ciao Werner

  4. Tadaaa! Das ist perfekt. Samstag bekomme ich Besuch, hab überlegt was ich mache… das gibts aufjedenfall „dazu“ evtl. mache ich eine Hälfte statt mit Zwiebeln mit Trauben und Oregano aber da kann man sich ja ausleben. Danke für das schöne Rezept ❤

      • Genau so sehe ich das auch 🙂 finde es auch spannend zu sehen was andere aus meinen Rezepten machen.
        Ja, das habe ich schonmal mit Pizzateig gemacht. Halbe Trauben, jede Menge frischen Oregano, grober Pfeffer und Meersalz… superlecker!
        Liebe Grüße
        Claudia

      • Waaaahhh… der Vorteig steht in der Küche, das Öl zieht und die Zwiebeln kühlen grade aus… es riecht jetzt schon gut (auch nach dem Kuchen der gerade fertig geworden ist)… ich bin gespannt! Ich habe keinen so einen ML oder wie der heisst, macht das was? Hoffentlich wirds trotzdem lecker! Die Hefe kommt mir so wenig vor.
        Liebe Grüße
        Claudi

      • LM ist Lievito madre, es geht auch ohne…, sie ist der Push-up in der Geschichte 😉 , die Hefemenge ist okay, lass die Zeit arbeiten. Die Hefen vermehren sich ordentlich..
        Drück dir die Daumen, Claudi
        Liebe Grüße
        Cheriechen

      • Ja, hab deine Beschreibung gelesen, das ist ja super kompliziert und langwierig, mal sehen ob ich das mal mache… interessant wäre es ja schon, wenn jemand gerne teilen würde, aber man kanns ja nicht gekühlt verschicken. Naja, ich bin gespannt wie das wird 🙂

      • es ist wunderbar geworden!!! Knusprig wie verrückt! Sowohl mit Zwiebeln als auch mit Trauben, wirklich sehr lecker, es hat sich gelohnt und ich habe den Teig scheinbar richtig gefaltet obwohl ich gar nicht wusste wie es geht (ich habs Bildlich gemacht). Das mach ich jetzt öfter! Danke!

  5. Liebes Cheriechen, du kannst einen aber auch lecker machen! Gottlob sind wir in nächster Zeit mal wieder in Ligurien zu Besuch und können im Original schwelgen. Aber danach weiß ich ja wo ich suchen muss, um es nachzubacken.
    Liebste Grüße Maren

  6. Uuh ich seh schon an den vielen Bubbles, dass du alles richtig gemacht hast 😉 in Italien wärst du wohl sofort eingestellt! Mit einem Kumpel zusammen habe ich während der letzten Wochen an einem Pizzaofen in seinem Garten gebaut! Nächsten Samstag ist Einweihung und ich weiss jetzt schon was da reinkommt 🙂

  7. Bei uns gab es gestern auch Focaccia nach dem gleichen Rezept -die war auch ganz o.k.-. ABER: Deine sieht wirklich perfekt aus. Gut gebacken und toll fotografiert.
    Also werde ich einen Vorteig ansetzen, die Kräuterspirale plündern und gleich morgen noch einmal eine backen!

  8. Pingback: Foccacia – Snack, nicht nur für einen WM-Fußballabend | Cucina e piu

  9. Hallo Boulancheriechen,

    erstmal einen großen Lob an Dich und Deinen aufregenden Blog. Hier kann man sich nicht genug sattschauen.
    Genial 😉

    Zu dem Rezept, Foccacia habe ich eine Frage: kann man die Hefe auch komplett weglassen und mit Lieveto Madre arbeiten? Den LM habe ich nach Deinem Rezept gemacht.

    Herzliche Grüße

    Malte

    • Lieber Malte, vielen Dank für deine freundlichen Worte! Ich habe Foccacia noch niemals ausschließlich mit LM gebacken.
      Wenn ich es täte, würde ich (statt des Polish mit Hefe) einen LM-Vorteig ansetzen, so wie ich es bei einigen Rezepten (z.B. der
      Sommerbombe) getan habe. Dann würde ich in den Hauptteig nochmal ordentlich LM rein geben. Bestimmt musst du viel mehr Zeit
      einkalkulieren. Aber es sollte wohl schon funktionieren. In Italien war LM früher der Ersatz für Hefe, die auf dem Land ja
      gar nicht zu bekommen war!
      Viel Erfolg und liebe Grüße

  10. Nach 2 Jahren LM- und Back-Abstinenz, gestern die Reste vom neuen LM-Ansatz zu dieser sagenhaften Foccacia verarbeitet. Dazu liebe Freunde eingeladen und der Abend war perfekt. Vielen Dank für das Rezept!

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