Saftiger Pflaumenstrudel und die „böse Frau Hitt“ …

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Ich bekam Frau Hitt buchstäblich und körperlich zu spüren, bevor ich ihre Geschichte kennenlernte. Ich sage euch, welch eine Erfahrung!!

Aber der Reihe nach: Mindestens einmal pro Jahr ist bei uns eine Hüttentour in den Alpen fällig, eine Form von Urlaub und Erholung, die für viele Menschen fragwürdig bleibt. Aber wir lieben es, direkt mit den Elementen konfrontiert zu sein und uns zwischen Himmel und Steinen auf das Wesentliche zu konzentrieren: Wie komme ich heute über diese Berge, zu meinem Schlafplatz in dieser Hütte und vor allem zu diesem Strudel oder Kaiserschmarrn oder …? In diesem Jahr wanderten und kletterten wir im Karwendel. Nachdem wir noch den „Freiungen Höhenweg“ vom Vortag in den Knochen stecken hatten, machten wir uns vom Solsteinhaus auf den Weg durch das „Frau Hitt-Kar“ zur nächsten Hütte. Ahnungslos mit zahlreichen Zipperlein stieg ich erst ab, dann wieder auf, wieder ab und wieder auf, um das sagenumwobene Kar zu erreichen. Begleitet wurden wir von einer reizenden Zufallsgruppe von lustigen Leuten, die sich durch Schafsblöken verständigten, nachdem sie – dem Herdentrieb folgend – alle einmal verlaufen hatten.

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Während ich mich schwitzend den steilen Schotterweg hoch kämpfte, versuchte ich mir „Frau Hitt“ vorzustellen und dachte an eine starke mutige Alpinistin, vielleicht 1890, die in wollenen Röcken unerschrocken ihren Weg suchte, um auf der anderen Seite der Bergkette Innsbruck zu erblicken. Was mag sie wohl angetrieben haben? Das letzte Stück des Weges war so steil, dass ich immer 2 Schritte zurück rutschte, wenn ich einen Schritt nach vorne machen wollte! Mein Gott, wo kamen all die verfluchten Steine bloß her? Der Rest war nur auf allen Vieren zu bewältigen…

Am Abend wollte ich es wissen und fragte den Hüttenwirt nach Frau Hitt. Oh, nein! Sie war keine Erstbesteigerin, sie war eine sehr böse Frau: Der Sage nach hat sie ihren einzigen Sohn mit Milch und Honig gewaschen und mit Brot!?! abgetrocknet. Einer Bettlerin, die um ein Stückchen Brot flehte, gab sie nur Steine! So wurde sie selbst zu Stein und ruht für immer mit versteinertem Herzen in diesem gnadenlosen Kar!

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Was lernen wir daraus:

– Kinder wäscht man (wenn überhaupt) mit Wasser und Seife!

– Brot ist zum Genießen und zum Teilen da und nicht zum Abtrocknen!!

– Erstbesteiger sind (leider) doch meist die Männer gewesen… , schade…

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Nach dieser steinigen Erfahrung braucht es einen guten Strudel, ich habe es mal mit Pflaumen und Zwetschgen probiert und das Ergebnis ist ein versöhnliches Stück Glück, wenn ihr mal einen harten Tag hattet. Der Strudel lässt sich mehrere Tage lang aufbewahren, wärmen, mitnehmen, er ist unkompliziert. Auch seine Herstellung ist längst nicht so schwierig, wie es sich die meisten Leute vorstellen. Ihr könnt auf einen Schlag eine große Portion Obst verwerten und das Ergebnis ist vergleichsweise „light“, falls ihr es schafft auf Sahne, Vanilleeis oder Vanillesauce zu verzichten (aber muss das sein? Besser etwas Sport ansetzen). Also: Raus mit dem Nudelholz, ihr werdet nicht mehr davon los kommen, wenn ihr den Dreh mal raus habt!

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Rezept:

Der Teig folgt meinem Grundrezept, das ihr hier findet: https://boulancheriechen.wordpress.com/2013/12/16/hier-gehts-rund-sauerkrautstrudel-mit-paprikasauce/

Während er 30 min im Kühlschrank ruht, könnt ihr die Füllung zubereiten.

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Füllung:

750 – 1000 g Pflaumen, Zwetschgen oder gemischt entsteint und etwas klein geschnitten

150 g Walnüsse gehackt

100 g Zucker (ich nahm Vollrohrzucker

100 g Haferflocken

30 g Vanillezucker

1 mehr oder weniger großer Löffel Zimt

Die Zutaten miteinander vermischen und durchziehen lassen, während ihr den Strudel ausrollt. Ganz ruhig, es ist viel einfacher, als man glaubt!

Selbstverständlich könnt ihr Schlagsahne und/oder Vanilleeis oder Vanillesauce dazu nehmen, ich hatte gerade eine asketische Phase…

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25 Kommentare zu “Saftiger Pflaumenstrudel und die „böse Frau Hitt“ …

  1. Was für eine traurige Geschichte mit der Frau Hitt 😉 Aber einen Strudel muß ich nun wirklich bald einmal wieder probieren! Bisher hats nie so richtig geklappt, mir ist immer irgendwann die Luft ausgegangen und ich habe aufgehört zu kneten, mit dem Erfolg daß sich der Teig nicht richtig ausziehen ließ… Dein Pflaumenstrudel sieht aber auch so lecker aus!

  2. Danke für die Geschichte und das Strudelrezept, macht mich gluschtig, aber wie lange wird es wohl dauern, bis ich den Dreh mal raus hab? Gluschtig ist nicht lustig, dieses wäre luschtig in unserem Dialekt. Wenn einen etwas „gluschtig macht“, dann bringt einen in den Zustand des Verlangens, aber ausschliesslich für Ess- und/oder Trinkbares, siehe auch das Verb „gelüsten“, laut Duden für gehobenen Gebrauch, haha.
    Dein schöner Garten!!

    • Danke, Erich! Auch, dass du die Erklärung für „gluschtig“ gleich mitlieferst! 🙂 Hier im Saarland entspricht „gluschtig“ dem Adjektiv „gimsig“, „Wat hann eich en Gims off Strudel!“ drückt dieses enorme kulinarische Verlangen dann aus …
      Versuche es nur mal, ich bin sicher, du schaffst es!

  3. Boah….. tolle Bilder, sowohl von der Landschaft als auch vom Strudel. Diesen werde ich seeeehr bald backen. Aber in die Berge??????Niemals.
    Schönen Sonntag

  4. Hallo Cheriechen!

    Sehr lecker dein Strudel! Und die Geschichte drumherum ist auch schön!
    Aber die Bilder von den Bergen – für mich fast das Schönste, da krieg‘ ich direkt Sehnsucht nach den Bergen!
    Danke für das schöne Rezept und besonders für den Trick mit den Haferflocken!

    Liebe Grüße
    Brotstern

  5. Vor etlichen Jahren war ich auch begeisterter Bergtourist. Leider ist das aus gesundheitlichen Gründen nicht ehr möglich. Um so mehr genieße ich deine Bilder und kann deine Begeisterung nachempfinden.
    Deine Schreib- und Erzählweise ist einfach herrlich.

    Ja, auch dein Rezept hier ist wieder einmal Spitze. Ich hoffe, dass es noch Pflaumen/Zwetschgen gibt, wenn ich nach D zurückkomme.
    Wenn nicht mache ich eben deinen Krautstrudel, der auch verlockend aussieht.

    Danke fürs genaue Rezept und die herrlichen Bilder!
    Grüße
    Irene

    • Liebe Irene,
      ich habe auch noch viele Alpentouren auf der To do – Liste, wer weiß, wie lange ich das noch kann, bzw. ich noch schwindelfrei bin. Achterbahnfahren finde ich schon nicht mehr so toll wie einst!
      Als ich am Samstag wieder Zwetschgenstrudel machen wollte, waren die Früchte von 2 Bäumen geklaut, sie hingen ganz voll! Was soll’s, bald gibt es dann Apfelstrudel…
      Liebe Grüße
      Cheriechen

  6. Ja, die Frau Hitt mit ihrem Herz aus Stein. Ich hab in meiner Heimat Tirol immer auf die Frau Hitt schauen können, wie sie versteinert über Innsbruck hockt. Nach so einem Aufstieg (super Bilder!) mit Klettersteig (nehm ich an) hast du dir so einen wunderbaren Strudel verdient! Der sieht toll aus!!!!!!!!
    lg, Reni

  7. Hallo, echt tolles Rezept für den Saftiger Pflaumenstrudel, passt zwar eher zum Sommerlichen Kaffeetrinken als in den Winter aber ausprobieren muss ich den demnächst mal. Die Rezeptbeschreibung ist wirklich detailiert beschrieben und die Fotos sind auch klasse, ist ein schönes Blog.
    Mfg Micha

    • Lieber Michael, herzlichen Dank!
      Ich finde Strudel geht zu jeder Jahreszeit. Statt frischer Pflaumen würde ich derzeit Äpfel nehmen, vielleicht mit getrockneten Pflaumen, die in irgend etwas Gutem eingeweicht wurden…
      Liebe Grüße u viel Spaß beim Backen
      Cheriechen

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